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Subwoofer selber bauen

Ein Subwoofer ist die einfachste Lautsprecherkonstruktion und gleichzeitig die, bei der die meisten Selbstbauer Leistung verschenken. Nicht am Holz, sondern an drei Zahlen: Qts, Fs und Vas. Diese Anleitung geht den Weg vom Chassis zum fertigen Gehäuse in der Reihenfolge, in der die Entscheidungen tatsächlich fallen.

1. Zuerst die Bauart, dann das Holz

Es gibt zwei Gehäuseformen, die für einen selbst gebauten Subwoofer sinnvoll sind. Alles andere — Bandpass, Horn, Transmissionline — lohnt erst, wenn die ersten beiden verstanden sind.

KriteriumGeschlossenBassreflex
Volumenkleinzwei- bis dreifach
Wirkungsgrad im Tiefbassniedrigerrund 3 bis 6 dB höher um die Abstimmfrequenz
Flankensteilheit unten12 dB pro Oktave24 dB pro Oktave
Impulsverhaltensauberer, geringe Gruppenlaufzeitträger, Gruppenlaufzeit steigt am Abstimmpunkt
Schutz des ChassisMembran wird unterhalb Fs von der Luftfeder gebremstunterhalb der Abstimmung ungebremst, Hochpass nötig
Gutmütig bei Fehlernsehrreagiert empfindlich auf falsches Volumen

Faustregel für die Wahl: Musik im Wohnzimmer, wenig Platz, Wert auf Präzision — geschlossen. Heimkino, Pegel, tiefe Grenzfrequenz bei begrenzter Verstärkerleistung — Bassreflex.

2. Das Chassis bestimmt das Gehäuse, nicht umgekehrt

Ein Tieftöner bringt seine Gehäuseform bereits mit. Entscheidend ist die Gesamtgüte Qts, die im Datenblatt steht:

  • Qts unter 0,3 — der Treiber ist stark bedämpft und will ein Bassreflexgehäuse oder ein Horn. In einer kleinen geschlossenen Box klingt er dünn.
  • Qts zwischen 0,3 und 0,5 — beides möglich. Der übliche Fall bei modernen Subwoofer-Chassis.
  • Qts über 0,5 — geschlossen, und zwar ohne viel Volumen. Bassreflex wird hier bauchig.

Die zweite Zahl ist Vas, das Äquivalentvolumen. Sie sagt, wie weich die Membranaufhängung ist, und damit direkt, wie groß die Box wird. Ein Chassis mit 120 Litern Vas braucht ein Vielfaches des Gehäuses eines Chassis mit 30 Litern Vas, obwohl beide 12 Zoll haben können.

Die dritte Zahl, die Resonanzfrequenz Fs, ist die untere Grenze dessen, was überhaupt erreichbar ist. Geschlossen liegt die Einbauresonanz immer über Fs, mit Bassreflex lässt sie sich bis in die Nähe von Fs drücken — darunter nicht.

Thiele-Small-Parameter nachschlagen

In der Chassis-Datenbank von 42.audio stehen die Werte von über 3.100 Treibern von 58 Herstellern — filterbar nach Fs, Qts, Vas, Durchmesser und Belastbarkeit.

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3. Volumen berechnen

Für ein geschlossenes Gehäuse ist die Rechnung kurz. Man wählt die gewünschte Gesamtgüte Qtc — 0,707 ergibt den flachsten Frequenzgang, 0,5 das beste Impulsverhalten bei größerem Gehäuse, 1,0 einen kleinen Kasten mit Buckel — und bekommt daraus Volumen und Einbauresonanz:

  • alpha = (Qtc / Qts)² − 1
  • Vb = Vas / alpha
  • fc = Fs × Qtc / Qts

Bassreflex ist aufwendiger, weil Gehäusevolumen und Abstimmfrequenz zusammen wirken. Eine brauchbare Startabstimmung nach Keele lautet Vb = 20 × Vas × Qts³·³ bei fb = Fs × (Vas / Vb)⁰·³¹. Von dort aus wird nach Gehör und Raum verschoben: kleineres Volumen und höhere Abstimmung geben mehr Kick, größeres Volumen und tiefere Abstimmung mehr Tiefgang.

Rechnen statt schätzen

Der Gehäuserechner von 42.audio macht beides — geschlossen und Bassreflex — mit Frequenzgang, Gruppenlaufzeit, maximalem Schalldruck, Rohrlänge und Portgeschwindigkeit. Die Thiele-Small-Werte lassen sich direkt aus dem Sortiment übernehmen.

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4. Das Bassreflexrohr

Der Port ist der Teil, an dem die meisten selbst gebauten Subwoofer scheitern. Drei Regeln:

  1. Querschnitt groß genug wählen. Die Luftgeschwindigkeit im Rohr soll bei Vollaussteuerung unter etwa 17 m/s bleiben, sonst strömt es hörbar. Bei einem 12-Zoll-Chassis heißt das in der Praxis mindestens 10 cm Innendurchmesser, oft mehr.
  2. Länge nachrechnen, nicht abschätzen. Die Rohrlänge folgt aus Durchmesser, Volumen und Abstimmfrequenz. Ein Zentimeter zu kurz verschiebt die Abstimmung deutlich.
  3. Enden anfasen oder Trichter verwenden. Scharfe Kanten erzeugen Verwirbelung und damit Strömungsgeräusche, lange bevor die Rechnung es vermuten lässt.

Wenn das errechnete Rohr nicht ins Gehäuse passt, ist das ein Signal: entweder das Volumen ist zu klein oder die Abstimmung zu tief. Ein gebogenes oder in die Ecke gelegtes Rohr ist die schlechtere Antwort als ein etwas größeres Gehäuse.

5. Material, Wandstärke, Verstrebung

Ein Subwoofergehäuse hat genau eine akustische Aufgabe: nicht mitzuschwingen. Alles, was die Wand abstrahlt, fehlt vorne und kommt zeitversetzt.

GehäusevolumenWandstärke MDFVerstrebung
bis 30 l19 mmeine Strebe oder Ring
30 bis 80 l22 bis 25 mmMatrix aus zwei Ebenen
über 80 l25 mm oder doppelt 19 mmMatrix, Wände zusätzlich koppeln

MDF ist der Standard, weil es dicht, homogen und billig ist. Multiplex ist steifer und leichter, aber teurer und lauter im Klopftest. Wichtiger als das Material ist die Verstrebung: eine gegenüberliegende Wandkopplung in der Mitte der größten Fläche bringt mehr als 6 mm zusätzliche Wandstärke.

Dämmmaterial gehört in geschlossene Gehäuse großzügig hinein — es wirkt wie eine leichte Volumenvergrößerung. In Bassreflexgehäusen nur an die Wände, niemals in die Nähe des Rohrs.

6. Verstärker, Trennung und Schutz

Ein Subwoofer läuft praktisch nie ohne Elektronik. Sinnvoll ist ein Plattenverstärker oder ein DSP-Modul mit Tiefpass zwischen 60 und 100 Hz, Phasen- oder Delay-Einstellung und — bei Bassreflex zwingend — einem Subsonicfilter etwa eine halbe Oktave unter der Abstimmfrequenz. Ohne diesen Hochpass macht die Membran unterhalb der Abstimmung Hub ohne Schalldruck, und genau dort sterben Chassis.

Die Verstärkerleistung sollte an der maximalen Auslenkung Xmax orientiert werden, nicht an der Nennbelastbarkeit. Ein Chassis, das bei 300 W bereits am Anschlag ist, wird von 1.000 W nicht lauter, nur kaputt.

7. Die fünf häufigsten Fehler

  1. Gehäuse zuerst, Chassis danach. Das Volumen ergibt sich aus dem Treiber, nicht aus der Nische im Regal.
  2. Herstellerempfehlung ungeprüft übernehmen. Die Angaben im Datenblatt sind oft auf maximalen Pegel optimiert, nicht auf den Raum.
  3. Verdrängung vergessen. Chassis, Rohr und Verstrebungen belegen Volumen. Bei kleinen Gehäusen sind das schnell zehn Prozent.
  4. Zu kleiner Port. Strömungsgeräusche sind nicht wegzudämmen, nur wegzubauen.
  5. Kein Subsonicfilter. Der billigste Chassisschutz überhaupt wird am häufigsten weggelassen.

Häufige Fragen

Wie groß muss ein Subwoofer-Gehäuse sein?
Das hängt allein vom Chassis ab. Geschlossen liegt das Volumen typischerweise zwischen einem Drittel und dem Doppelten von Vas, mit Bassreflex beim Zwei- bis Dreifachen davon. Ein 12-Zoll-Chassis kann je nach Aufhängung 25 Liter oder 120 Liter brauchen.
Geschlossen oder Bassreflex für den ersten Selbstbau?
Geschlossen. Die Konstruktion verzeiht Volumenfehler, braucht kein Rohr und klingt auch dann noch ordentlich, wenn die Rechnung um zwanzig Prozent danebenliegt.
Welche Holzstärke für einen Subwoofer?
19 mm MDF bis etwa 30 Liter, darüber 22 bis 25 mm, immer mit Verstrebung. Steifigkeit entsteht durch Verstreben, nicht durch Masse.
Lohnt sich der Selbstbau gegenüber einem fertigen Subwoofer?
Bei gleichem Budget bekommt man selbst gebaut in der Regel deutlich mehr Chassisqualität und Gehäusevolumen, weil Handel, Verpackung und Transport wegfallen. Der Preisvorteil verschwindet, wenn man Werkzeug, Zeit und Ausschuss mitrechnet — die bessere Anpassung an Raum und Geschmack bleibt.

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Alle Formeln in diesem Text folgen dem Modell von Thiele und Small. Sie beschreiben das Verhalten unterhalb der ersten Gehäuseresonanz und setzen einen Treiber im Kolbenbereich voraus. Für die Abstimmung im Raum bleibt eine Messung durch nichts zu ersetzen.